Full text: Die Praxis des gleitenden Übergangs in den Ruhestand

5, Der GÜR im Interesse _der Arbeitnehmerfinnen 
5.1 
Der GÜR als Beitrag zur Lösung spezifischer Problemlagen älterer 
Arbeitnehmerinnen 
Nachdem in den vorhergehenden Kapiteln der GÜR aus einer mehr 
betrieblichen und überbetrieblichen Sicht thematisiert wurde, gilt es nun, 
diese Pensionierungsform als Beitrag zur Lösung besonderer Problemlagen 
älterer Arbeitnehmer zu erörtern. 
Die Thematisierung der spezifischen Problemfelder geschieht dabei vor 
dem Hintergrund, daß die individuelle Entscheidung für oder gegen ein 
bestimmtes Verrentungsmodell Ergebnis eines mehr oder minder differen — 
zierten Abwägungs- und sozialen Aushandlungsprozesses ist. Im Indivi— 
duum liegende Gründe spielen dabei ebenso eine Rolle wie der sozial — 
institutionelle Kontext, in dem der (die) ältere Arbeitnehmer/in jeweils 
eingebettet ist. Nicht nur die unterschiedlichen betrieblichen Problemlagen, 
auch die individuellen Arbeits- und Lebensbiographien bewirken nicht 
durchgängig ähnliche oder gar identische Problemlagen. Von daher ist 
auch der Grad individueller Betroffenheit von diesen recht unterschiedlich. 
Die Konsequenz ist, daß nicht vorab, allein auf der Ebene Oobjektiver 
Bedingungen, hier der betrieblich strukturierten Rahmendaten, die konkret 
individuelle Verrentungsentscheidung rekonstruiert sowie die individuelle 
Betroffenheit ermittelt werden kann, "sondern erst durch die Art und 
Weise der Wahrnehmung, Verarbeitung und interessenbezogenen Ausein-— 
andersetzung mit der betrieblich — beruflichen Situation im Kontext ihrer 
jeweiligen subjektiv — biographischen Bedingungen."* 
Im konkreten Fall werden nicht nur unterschiedliche Problemkonstella — 
tionen subjektiv relevant, auch quasi gleichen Problemfeldern werden 
unterschiedliche Bedeutungen und unterschiedliche Gewichte beigemessen; 
subjektiv — biographische Momente eröffnen dem einzelnen Arbeitnehmer 
dabei unterschiedliche Möglichkeiten und Spielräume im Umgang mit 
diesen Problemlagen. Von daher kann individuelles Verrentungs— bzw. 
Arbeitsverhalten auch nicht monokausal erklärt werden. Arbeits— bzw. 
Verrentungsverhalten ist vielmehr als Beitrag zur Lösung verschiedenster 
Problemlagen geeignet, unterliegt also einem ganzen Bündel von Einfluß — 
ınd Motivationsfaktoren. Die einzelnen Problemfelder als Einflußfaktoren 
Preiß, Ch. (1984), S.179. Vgl. auch Wolf, J. (1988, S. 105): "Die Bedingungen (für 
oder gegen eine bestimmte Verrentungsalternative bzw. Weiterarbeit, d.Verf.) in den 
Personen zu suchen, wäre ebenso verkürzt wie eine Beschränkung auf die institu- 
tionellen Regeln. Es kommt vielmehr auf den Umgang der beteiligten Akteure mit 
den Spielräumen der Regelungen an." 
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