Full text: Grundriss der psychiatrischen Diagnostik

Spezieller Teil. 
Differentialdiagnostisch kommt vor allem De- 
mentia paralytica in Betracht (siehe dort). 
Vor Verwechselungen mit Neurasthenie schützen die 
zerebralen Herderscheinungen, der geistige Rückgang. 
Mit Dementia senilis kommen Mischformen vor. 
An Delirium und Amentia erinnernde Bilder können die 
Erregungs- und Verwirrtheitszustände darbieten, die vorüber- 
gehend auf dem Boden der Hirnarteriosklerose sich entwickeln. 
Das weinerliche Wesen lässt häufiger an Melancholie 
denken (vgl. S. 129). Wichtig Anamnese! Auch paranoide 
Bilder werden beobachtet. 
Dementia senilis. 
Organische Hirnerkrankung teils durch einfachen Alters- 
schwund des Gewebes, teils durch arteriosklerotische Verände- 
rungen. Oft sogenannte Drusenbildung in der Rinde. 
Aetiologie: Auftreten im Greisenalter. Meist all- 
mähliches Nachlassen der geistigen Fähigkeiten und auffallende 
Aenderung des Charakters. Doch können auch äussere Schäd- 
lichkeiten einen rascheren Ausbruch des Leidens bedingen. 
Es gibt auch eine präsenile Demenz, die sich schon im 
5.—6. Jahrzehnt bemerkbar macht. Als Alzheimersche Krank- 
heit bezeichnet man eine seltene, äusserst schwere präsenile Ver- 
blödungsform in den 40er Jahren mit’ epileptiformen Anfällen, 
Logoklonie (siehe S. 39), später Stummheit. (Anatomisch: Ganglien- 
zellerkrankung, Drusen, Atrophie.) 
Beginn der senilen Demenz: Neben Gedächtnisstörung 
(besonders für die Jüngstvergangenheit) und Urteilsschwäche 
entwickeln sich Pedanterie, Geschwätzigkeit, KEigensinn, 
Misstrauen, Reizbarkeit, Egoismus, Abstumpfung der sittlichen 
Gefühle, auch wohl mit Steigerung der Libido sexualis. 
Nervöse Erscheinungen wie bei Arteriosklerose kommen vor: 
Schwindel, Ohnmachten, Kopfweh, Schlaflosigkeit usw. 
Verlauf: Das Symptom der geistigen Schwäche be- 
herrscht das Krankheitsbild. Auffassungskraft und Gedächt- 
nis nehmen immer mehr ab, namentlich die Merkfähigkeit 
für neue Erlebnisse leidet. Der Kranke wird unordentlich, 
unsauber, beschmutzt sich mit Kot und Urin. Kindische 
Heiterkeit und Geschwätzigkeit, weinerliche Rührseligkeit 
wechseln mit misstrauischer Verdrossenheit, auffallender 
Teilnahmslosigkeit oder ausgesprochener Bösartigkeit. Hypo- 
chondrische, melancholische, paranoische Wahnideen und 
Sinnestäuschungen (Furcht, bestohlen zu werden), delirante 
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