„Was ist denn?" erwiderte sic, als wenn gar nichts wäre. Nachdem sic sich
jedocb überlegt, daß er sic gewiß schon früher einmal gesehen, wie sic noch ganz
golden war, fügte sie zornig hinzu: „Glaubst du etwa, daß man ewig halt, du
alberner Laste? zupf' dich an deiner eignen Nase!"
Da hatte er beinahe laut aufgelacht, denn er sah, daß sic ihn nicht erkannte.
Doch sic tat ihm viel zu leid, und so fragte er nur leise, ob sie denn gar nicht
wisse, wer er sei. Er war der kleine Mobr, den sie vor Zeiten einmal so sebr
ausgelacht hatte.
Nun war die Reihe an ihr ganz still zu werden und sich zu schämen, und
unter vielem Schluchzen erzählte sic, wie erst an ein paar Stellen und dann
fast überall das Gold heruntergegangen sei; wie sie das ihren Untertanen lange
verborgen und wie diese es endlich doch gemerkt und sie fortgejagt hatten. Nun
zöge sie auf den Jahrmärkten umher, habe es aber sehr satt, und wenn er noch
so dächte wie früher, wollte sic ihn gern heiraten.
Darauf erwiderte er sehr ernsthaft, er bedaurc sie zwar von Herzen, sei aber
schon viel zu verständig um eine Blechprinzessin zu heiraten. Er hoffe bestimmt
noch einmal eine viel bessere Frau zu bekommen, wie sie. Damit ging er zur Bude
hinaus, und ließ die Blcchprinzcssin stehen, die vor Wut beinahe platzte und ihm,
während er ging, fortwährend nachrief: „Mohrcnjunge, Mohrenjunge! kohlschwarzer
Mohrenjunge, der abfärbt!" und ähnliches. Doch niemand wußte, wen sie damit
meinte, da er ja längst auch nicht ein Tüpfchcn Schwarzes mehr an sich hatte.
Er ging daher sittsam weiter, ohne sich auch nur umzusehen, und war froh,
daß er in seinem Leben nie wieder etwas von der abscheulichen Person erfuhr.
Eine Zeitlang setzte er noch sein altes Wanderleben fort, als er aber fast die
ganze Welt gesehen hatte, und anfing des Umhcrzichcns müde zu werden, da
traf cs sich, daß der König von seinem Spiel hörte, und ihn zu sich rufen ließ.
Ein Lied nach dem andern mußte er ihm bis in die späte Mitternacht vorspielen
und zuletzt stieg der König von seinem Thron, umarmte ihn, und fragte, ob er
sein bester Freund werden wollte. Als er dies bejaht, ließ ihn der König in
8 Bolkmann-Veander. Träumereien.
113