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Warengeschäft — aus dem hätte sich was machen lassen,"
und er schüttelte sein massives Haupt mit tiefem, ehrlichem
Bedauern.
Es zeigte sich bald, daß die neuen Bekannten so viel mit
einander zu besprechen hatten, daß die Sache sich nicht auf
der Straße abmachen ließ, und so wurde verabredet, daß Dick
am folgenden Abend sich bei Mr. Hobbs im Geschäft ein-
finden sollte, was dem jungen Manne außerordentlich ein
leuchtete. Er war ein Kind der Straße von klein auf, aber
in ihm lebte von jeher eine gewisse Sehnsucht nach einer ehr
baren, bürgerlichen Existenz. Seit er sein Gewerbe allein
betrieb, hatte sich seine Einnahme so ansehnlich gesteigert, daß
er sich ein Nachtlager unter Dach und Fach gönnen konnte,
und keine Haustreppen mehr als solches zu benutzen ge
zwungen war, und allmählich gestattete er sich auch den Luxus,
Pläne zu schmieden und nach noch Höherem zu streben. Die
Einladung zu einem so umfangreichen, ansehnlichen Manne,
der einen eignen Laden und sogar Wagen und Pferde zur
Beförderung seiner Waren besaß, war ein bedeutender Schritt
auf dem Wege zu einer höheren Lebensstellung.
»Ist Ihnen über Grafen und Schlösser vieles besannt?"
erkundigte sich Mr. Hobbs. „Ich möchte gern mehr Einzel
heiten über diese Sachen wissen."
„In der Penny Story Gazette kommt eine Geschichte,
ivo sich's um vornehme Leute handelt. Sie heißt: ,Das Ver
brechen einer Krone' oder ,Die Rache der Gräfin May.' Kurioses
Zeug ist's, aber ganz famos. Ein paar von uns lesen's."
„Bringen Sie mir das Blatt mit, ich will's bezahlen,"
erklärte Mr. Hobbs mit Würde. „Bringen Sie mir alles, wo
ein Graf drin vorkommt, und wenn's kein Graf ist, so thut's
auch ein Marquis oder ein Herzog, obivohl er allerdings
immer nur von einem Grafen gesprochen hat. Ueber Grafen
kronen haben wir uns auch unterhalten, gesehen habe ich
aber nie welche. Denk' mir, hier herum sind keine zu
haben."
„Wenn's einer hätte, ivär's Tiffany*)," sagte Dick,
„weiß aber nicht, ob ich sie kennen ivürde, ivenn ich eine zu
sehen kriegte."
Mr. Hobbs fand es nicht für nötig, zu gestehen, daß
er selbst auch keine Vorstellung von der Beschaffenheit eines
") Der große New Jorker Juwelier. Anm. d. Uebers.
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