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Abhandlung II. §118.119.
Fall wäre, so folgte noch nicht, dass der Vortheil einer
bestimmten Anzahl von Menschen die allgemeine Un
ordnung unter einer unzähligen Anzahl von Geschöpfen
überwiegen müsse. Solche Meinung wäre noch ein Ueber-
bleibsel des alten, so verrufenen Satzes, wonach alles nur
für den Menschen geschehen ist. ,J1 )
119. IV. „Die Wohlthaten, welche Gott den, der
„Glückseligkeit fähigen Geschöpfen erzeigt, sollen nur
„deren Glück befördern. Gott gestattet deshalb nicht,
„dass sie zu deren Unglück benutzt werden, und wenn
„der schlechte Gebrauch, welchen sie davon machen, sie
„in’s Verderben führen könnte, so würde er ihnen sichere
„Mittel für einen blos guten Gebrauch derselben ge-
„währt haben, da ohnedem es keine wirklichen Wohl-
„thateu sein würden und Gottes Güte dann geringer
„sein würde, als man sie bei einem andern Wohlthäter
„sich vorstellen könnte. (Ich meine, bei einer Ursache,
„die mit ihren Geschenken zugleich die sichere Ge
schicklichkeit, sich ihrer gut zu bedienen, gewähren
„würde.)“
Hier sehen wir schon den Missbrauch, oder die
schlimme Wirkung des vorherigen Satzes. Es ist im
strengen Sinne nicht richtig (obgleich es so scheint) dass
die von Gott den des Glückes fähigen Geschöpfen mit-
getheilten Wohlthaten, nur ihr Glück bezwecken. Alles
ist in der Natur verknüpft, und wenn ein geschickter
Künstler, oder Baumeister, oder Maschinenmeister oder
Staatsmann dieselbe Sache zu verschiedenen Zwecken
benutzen, wenn sie aus einem Stein zwei Trinkschalen
machen, sobald dies sich bequem ausführen lässt, so
kann man von Gott sagen, dass er, dessen Weisheit und
Macht vollkommen sind, es immer so macht. Es gehört
dahin die Ersparniss an Raum, an Zeit, an der Lage,
an dem Stoffe, welche gewissermassen seine Unkosten
sind. Deshalb hat Gott bei seiner Vornahme mehr als
einen Gesichtspunkt. Das Glück aller seiner ver
nünftigen Geschöpfe ist einer seiner Gesichtspunkte, aber
es ist nicht sein ganzes Ziel und selbst nicht sein letztes
Ziel. Deshalb kann das Unglück einiger dieser Ge
schöpfe als eine Nebenfolge eintreten und als eine
Wirkung von andern grossem Gütern, wie ich schon
früher gesagt habe und wie Herr Bayle auch in gewisser