MEERZAUBER
Im Apfelbaume hängt ihr Cymbalum,
Beschattet; süßen Zauber drauf mit hellen
Fingern webt sie, und wie die Töne schwellen,
Läßt der Seevogel seine See darum.
Doch welchem Schalle neigt ihr Ohr sie, stumm?
Hört was für unterird’schen Braus vom Meere
In Antworthall von was für Planisphäre
Im Winde her, vom Astuarium?
Sie sinkt in ihren Zauber: und regt dann
Die Lippe sich und steigt sie auf im Lied:
Was für Getier innerster Hochsee zieht
In furchigen Brandungwolken wohl heran,
Bis er sie, der unselge, hört im Schiff
Und hier, bloßbrüstig, stirbt auf ihrem Riff?
Das Sonett mag ohne das Bild etwas dunkel scheinen. Der
Gedanke ist der: eine Sirene oder Meerfee, in einem Baum sitzend,
deren Laute einen Seevogel anlockt, ihr zu lauschen und deren
Gesang bald genug einem bezauberten Seefahrer verhängnisvoll
werden soll. (W. M. Rossetti.)