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Dann Mist er mit Befriedigung darauf hin, Latz die Zunechms in fast allen
Größenklassen ungefähr dieselbe sei und die Gesammtzahl der Betriebe sich „um
nahezu 300000 (für nur 13 Jahre eine Riesenzisfer) erhöht habe".
Diesmal stimmen merkwürdiger Weise die Zahlen. Ja, die Riesen
zisfer der Zunahme der Betriebe ist eine Thatsache. Aber sie bleibt eine
Riesenzisfer blos dann, wenn mcm annimmt, man könne von jedem Stückchen
Land leben, wie klein es auch sei. Von der Riesenzisfer, die sich genau genommen
auf 281 973 beläuft, entfallen nicht weniger als 120 236 auf die „Betriebe" mit
weniger als 20 Ar, 174 636 auf jene mit weniger als 2 Hektar. Und noch eine
„Riesenziffer". Während diese Zwergbetriebe sich um fast 175 000 vermehrten,
v e r r i n g e r t e sich die von ihnen landwirthschaftlich benutzte Fläche um 17 494
Hektar. Die Betriebe unter 2 Hektar bilden aber die große Mehrheit aller
landwirthschafilicher Betriebe (1895 3 236 367 von 6 558 317). Die Lage
dieser 8 Millionen hat sich seit 1882 im Allgemeinen entschieden ver
schlechtert, soweit sie von der Größe der ihnen zur Verfügung stehenden
Bodenflüche abhängt. Auf den einzelnen dieser Betriebe entfiel 1882 eine
landwirthschaftlich benutzte Fläche von 60 Ar, 1896 nur noch von 56 Ar. Welch
riesenhafter Fortschritt, den die riesenhafte Zunahme der kleinen Betriebe
gebracht I
Von einer „R i e s e n s u m m e" zu sprechen, die etwa eine riesenhafte Zu
nahme eines gesunden Kleinbetriebes anzeigte, ist lächerlich. Dagegen muß zu
gegeben werden, daß hier auch das Gegentheil nicht zu merken ist, eine riesen
haft Abnahme des Kleinbetriebes. Wir finden vielmehr nur unmerkliche Ver
schiebungen der einzelnen Größenklassen, welche Verschiebungen nicht überall in
gleicher Richtung vor sich gehen und wechseln. In Deutschland wuchs in den
Jahren von 1832—95 der Mittelbetrieb, in Frankreich der Zwergbetrieb und
Großbetrieb, wie folgende Tabelle zeigt: Es veränderte sich die landwirthschaft
lich benutzte Fläche,
In Deutschland
Größenklasse
1882—1895
Abnahme (—)
bez. Zunahme (-f)
In Frankreich
Größenklasse
1882—1892
Abnahme (—)
bez. Zunahme (-f)
unter 2 Hektar . .
— 17 494 Hektar
unter 1 Hektar . .
-s-243 420 Hektar
von 2—5 Hektar
+ 95 781 „
von 1—5 Hektar
—108 434 .
von 5—20 Hektar .
+ 568 477 „
von 6—10 Hektar .
— 13140 »
von 20—100 Hektar
— 88 333 „
von 10—40 Hektar.
— 682 243 „
über 100 Hektar. .
+ 46 633 „
über 40 Hektar . .
+197 288 „
In Deutschland selbst finden wir dort, wo der Großbetrieb vorherrscht,
vielfach die Neigung, ihn zu verringern; wo er wenig entwickelt ist, die, ihn zu
vermehren. In Ostpreußen z. B. verringerte sich die landwirthschaftlich be
nutzte Fläche der Betriebe mit mehr als 100 Hektar von 1882—1895 vor»
1008168 auf 923 651 Hektar. Gleichzeitig wuchs sie im Rheinland M
35 913 auf 48 325, in Baden von 13 302 Hektar auf 22 792 Hektar.
Im Allgemeinen zeigt die Landwirthschaft, was das Verhältniß der einzelnen
Größenklassen der Betriebe anbelangt, keine entschiedene Bewegung, kein
Vordringen des Großbetriebes. Darin unterscheidet sie sich allerdings sehr von
der Industrie. Aber nichtsdestoweniger wird auch die landwirthschaftliche Be
völkerung immer abhängiger vom Kapital und hört immer mehr auf, Herr
ihrer eigenen Produktionsmittel zu sein, ebenso wie die induswielle Arbeiterschaft.
Die Wege dieses Entlmcklungsgangcs sind jedoch äußerst verschlungen und es ist
unmöglich, sie hier in Kürze alle aufzuzeigen; nur zwei seien angedeutet, die
die einfachsten sind und am klarsten zu Tage liegen.