8
Wir können beobachten, wie die christliche Grab
kunst aus der Dekorationsmalerei der Antike her
vorwächst als ihr letzter Sproß, wie sich in der
griechisch-römischen Form ein christlicher Inhalt
herausbildet, zuerst bescheiden in der dekorativen
Hülle verborgen, so daß er nur dem geübten Auge
bemerkbar ist, bis dann der Kern die Schale sprengt,
das Gegenständliche immer bedeutsamer und ein
seitiger wird, und mit der gewaltigen Predigt von
den letzten Dingen an den Wänden der Gotteshäuser
endet. Über hundert bemalte Grabkammern und
fast ebenso viele Einzelgräber, alle metertief in den
braunen Tuffboden der Campagna eingegraben an
den Seiten der endlos langen Katakombengänge,
zeigen uns die Kunst der ersten christlichen Gene
rationen. Die christlichen Dekorationsmaler über
spannten die Decken und die. Wände der kleinen
Grabkammern mit einem leichten Netz von Ranken
und Linien, und in die Felder, die sie umschlossen,
setzten sie kleine Füllfiguren, zunächst bedeutungs
lose Dekorationsmotive, aber bald immer mehr
Bilder aus der biblischen Geschichte. Es sind kleine
Szenen mit möglichst wenigen Figuren, die mit den
einfachsten Mitteln und großer Naivität, und doch
nicht selten sprechend deutlich, uns den Inhalt der
heiligen Geschichten vor Augen stellen. Dieselben
Bildchen sind dann immer wiederholt worden, von
denselben Malern wie von ihren Kollegen und Nach