Full text: Der Entwicklungsgang der altchristlichen Kunst

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Wir können beobachten, wie die christliche Grab 
kunst aus der Dekorationsmalerei der Antike her 
vorwächst als ihr letzter Sproß, wie sich in der 
griechisch-römischen Form ein christlicher Inhalt 
herausbildet, zuerst bescheiden in der dekorativen 
Hülle verborgen, so daß er nur dem geübten Auge 
bemerkbar ist, bis dann der Kern die Schale sprengt, 
das Gegenständliche immer bedeutsamer und ein 
seitiger wird, und mit der gewaltigen Predigt von 
den letzten Dingen an den Wänden der Gotteshäuser 
endet. Über hundert bemalte Grabkammern und 
fast ebenso viele Einzelgräber, alle metertief in den 
braunen Tuffboden der Campagna eingegraben an 
den Seiten der endlos langen Katakombengänge, 
zeigen uns die Kunst der ersten christlichen Gene 
rationen. Die christlichen Dekorationsmaler über 
spannten die Decken und die. Wände der kleinen 
Grabkammern mit einem leichten Netz von Ranken 
und Linien, und in die Felder, die sie umschlossen, 
setzten sie kleine Füllfiguren, zunächst bedeutungs 
lose Dekorationsmotive, aber bald immer mehr 
Bilder aus der biblischen Geschichte. Es sind kleine 
Szenen mit möglichst wenigen Figuren, die mit den 
einfachsten Mitteln und großer Naivität, und doch 
nicht selten sprechend deutlich, uns den Inhalt der 
heiligen Geschichten vor Augen stellen. Dieselben 
Bildchen sind dann immer wiederholt worden, von 
denselben Malern wie von ihren Kollegen und Nach
	        
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