Full text: 1517 - 1721 (2)

2 
B. 1, 58. Vollendung der Reformation 
bis dahin aber alle „päpstlichen und alten, hergebrachten Zeremonien“ fallen ge—⸗ 
lassen werden. 4. Der Austritt von Ordenspersonen darf nicht gehindert werden. 
5. Sollte unter ihnen ein zum Predigtamt geschickter Mann gefunden werden, 
so soll demselben eine besondere Entlohnung und evtl. ein Ruhegehalt gegeben 
werden. 6. Die Klöster, welche „Kirchen auf dem Lande unter sich haben“, sollen 
für „fromme, gottesfürchtige, gelehrte Prediger“ und gute Entlohnung derselben 
sorgen. 7. Soll der Vorsteher ernstlich dafür sorgen, daß die Ordenspersonen, 
„wenn sie zu Reventer und Tisch gehen“, nichts anders lesen und beten, denn die 
Heilige Schrift. 8. Sollen sie ein züchtiges Leben führen und ihre Zeit nicht 
unnützlich hinbringen, sondern so, daß sie mit ihrem Singen, Beten und Studieren 
Gott und gemeiner Wohlfahrt dienen. — Für die Jungfrauenklöster wird ähn— 
liches verordnet. 
Unter dem 5. April konnten die holsteinischen Visitatoren dem König berichten, 
daß alle Klöster sich seinen Fordernngen unterworfen hätten, nur nicht Ueter- 
senn. Hier habe der Drost zum Pinnenberge, Hans Berner, eingewandt, daß das 
Kloster auf Schauenburgischem Gebiete liege, auch habe Bischof Balthasar (Ran— 
tzau, s. oben S. 81), der sie im übrigen durchaus liebenswürdig empfangen habe, 
erklärt, die Instruktion sei auf ihn nicht gestellt, „auch sei beschlossen, das noch 
ein gemeiner Landtag zuvor (vor solcher Aenderung oder Einführung der KO) 
sollte gehalten worden sein““). 
Diese „Reformation“ der Klöster stellte einen weiteren wichtigen Schritt zu der 
vom König erstrebten allgemeinen Reformation der Herzogtümer dar. Frei— 
lich hat man zu bedenken, dast es sich zunächst nur um ein unter königlichem 
Drucke erfolgtes Versprechen handelt, das noch nicht in allen Fällen eine wirkliche 
Ausführung verbürgte. Im übrigen hatte die Maßnahme für die Herren- 
klhöster insofern nur einen bedingten Wert, als diese schon im Laufe des 
10. Jahrhunderts als geistliche Institute allmählich ausstarben und von den 
Landesherrschaften als gute Beute eingezogen wurden (zuletzt Reinfeld 1682) So 
*5) Es handelt sich hier vermutlich um die der Ordinatio angefügte, aber zuvor noch ins 
Plattdeutsche zu übertragende Instructio pro Canonicis et Mongehkis Bugenhagens oder 
eine verkürzte Bearbeitung derselben. 
55) Danachh ist die im Eingang der Instruktion gegebene königliche Erklärung, nach welcher 
rie Stände, wenn bis Weihnachten keine reichsgefetzliche Ordnung ergangen sei, alsdann die 
KO einträchtig augenommen“ hätlen und dabei einträchtig bleiben wollten (val. 
den Landtagsabschied S. 81f.), zum mindesten eine etwas einseitige Auslegung des Willens 
der Stände. Ein regnlärer Beschluß in dieser Beziehung scheint nicht gefasit worden zu sein, 
bielmehr wird man annehmen dürfen, dasi der König die Willensmeinung der Majorität so 
zusgelegt und danach seinen Abschied gestaltet hat. Andererseits aber darf man wohl annehmen, 
dasi von einem formellen Beschluß des Landtages, daß über diese Dinge noch ein weiterer Land— 
tag sollte gehalten werden, auch keine Rede sein kann — einen solchen hätte der König doch 
nicht völlig unerwähnt lassen können. Es wird sich hier, wie so oft bei solchen Verhandlungen, 
um verschiedene Auslegung eines Tatbestandes handeln. Daß der König wegen der Einsührung 
der Kirchenordnung nachher doch noch einen formellen Landtagsbeschluß herbeigeführt bat, zeigt, 
daß der Bischof mit seiner Auslegung nicht ganz Unrecht hatte. — Was das Uetersener 
Klosster anbetrifft, so brach König Christian den Widerstand mit einer gewissen Gewaltsam— 
keit, indem er 1541 dort persönlich erschien und den Monnen einen evangelischen Prediger 
Balthasar Schröder) aufdräugte. Das half indes nicht auf die Dauer: die Schauenburger 
Herrschaft protestierte und machte ihr laudesherrliches Recht geltend. Der Pastor mußte 1548 
weichen und ward nach Segeberg versetzt, wo er eine langdauernde Predigerdynastie gründete 
(M. St. M. 4, 876). Es kam zu langwierigen Streitigkeiten zwischen den Herzöden von 
Holstein und den Grafen von Schauenburg, die erst 1578 dahin geschlichtet wurden, daß das 
Kloster unter gemeinschaftliche Regierung der Holsteinischen Herzöge kam. Mitlerweile hatten 
sich die Nonnen zum evangellschen Glauben bekehrt (vgl. Lau S. 442).
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.