Full text: 1517 - 1721 (2)

Herzog Adolf Bischof 1556 
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Adolfs bedurfte, wurde dieser, der sich mittlerweile ruhig seiner Beute erfreut hatte, 
offiziell von König und Landtag als Bischof anerkannt (1563). 
2. Herzog Adolss Superintendent, Paul von Eitzen (1502 - 98). 
Je stärker die Stellung Herzog Adolfs als Bischof bestritten wurde, desto mehr 
musite ihm daran gelegen sein, sich einen tüchtigen und angesehenen Micarius, d. h. 
einen den Vorschriften der KO entsprechenden Stellvertreter für die eigentlich 
geistlichen, bischöflichen Funktionen zu verschaffen. 
Solange Bischof Tilemann lebte, hatte Herzog Adolf diesen auch als obersten 
Geistlichen seines Gebietes gebraucht (Wgl. S. 117). Als nach dessen Tode die 
Superintendentur einstweilen unbesetzt blieb, bediente er sich als theologischen Be— 
raters und geistlichen Führers seiner Kirchen seines Hofprediges Wolquard 
Jensen (Jonae, Jonas). Für den hohen Posten eines regelrechten „Superat 
tendenten“ und geistlichen Mizebischofs scheint der Herzog seinen getreuen Hof 
prediger weder nach seinen moralischen, noch nach seinen wissenschaftlichen Quali 
täten genügend befunden zu haben. Es wird zwar behauptet, dasß er „General 
propst“ — ein Titel, der sich nach damaliger Auffassung von „General Superinten 
dent“ wenig unterschied — für das ganze Gottorfer Gebiet gewesen sei (Moller J. 
S. 285). Allein dieser Titel ist urkundlich nicht für ihn zu belegen (Andr. S. 319), 
er war und hieß seit 18554 nur „Propst“ als Visitator des Amtes Gottorf. Nun 
hat er in seiner Eigenschaft als Hofprediger allgemein kirchliche Dienste geleistet ), 
dast er aber nicht voll als „Superintendent“ gerechnet wurde, ergibt sich schon 
daraus, daß, als 1557 eine Generalvisitation für nötig gehalten wurde, er zwar 
als Mitglied, aber nicht als Führer der entsprechenden Kommission fungierte, noch 
deutlicher aber daraus, daß er — so scheint es jedenfalls — niemals eine Ordi 
nation vollzogen hat (s. oben S. 118)). 
Jedenfalls suchte Herzog Adolf etwas Besseres. Wie er einst dreist genug 
gewesen war, Königin Elisabeth von England als Vraut zu werben, so griff er 
3. B. bei den Verhandlungen über die kirchliche Neuordnung in dem eroberten Dith— 
marschen 18850, bei der Ausschreibung von Betetagen (Rördam S. 070 Anm.) u. dal. Das 
ertsrrach durchaus den Gerflogenheiten der Zeit, insosern kleinere Höse, die keinen beamteten 
Surerintendenten hielten, den jeweiligen Hofprediger mit den nötigen allgemeinkirchlichen Funk 
tionen betrauten. 
) Ueber VNolquard Jensen vergl. aus neuerer Zeit bes. Ander. S. 310o u. 310, 
sowie W. Jenseenn in BuM Bd. o, S. 155 ff. Er war in Eiderstedt geboren, besuchte das 
Gomnañum zu Lüneburg und ward, scheinbar in sehr jungen Jahren, Hoforediger des jungen 
Herzogs Adolf, dem u. a. auch seine in Lüneburg bewiesene Trunkfestigkeit (Bibhacitas, Moller 
a. a. D.) gefallen haben mag. 1559 und oo begleitete er seinen Herrn auf dessen Reisen nach 
den Miederlanden und England. Mach seiner Rückkehr mag er durch seine ständigen Zankereien 
mit den Domherrn und seine Unbeherrschiheit in Schleswig etwas unmöglich geworden sein 
und durfte sich 1800 in das ihm reservierte Pastorat zu Garding zurückziehen. Er enppfand 
jedoch diese Stellung als „Fegeseuer und Zuchthaus“ und war deshalb jedenfalls froh, als er 
von Herzog Joehann d. A. einen Rufsals Pastor und Propst in Reudsburg bekam (1570). 
Doch auch dort war seines Bleibens nicht auf die Dauer: auf Beschwerden der Bürgerschaft 
— er wollte keine Pesikranken „visitieren“ und „hatte einen Kettenhundt vor die Thür geheftet, 
daß niemandt zu ihm kommen konte“ (W. Jensen S. 158) — mußte er seinen dortigen 
Dienst quittieren. Er wandte sich nun an seinen alten Gönner Herzog Adolf und soll J'. an 
St. Michaelis in Schleswig geworden sein (das. S. 150). Nach Herzog Adolfs Tode nahm 
ihn dessen Gemahlin als Hofrrediger mit auf ihren Witwensitz in Kiel. Dort hat er noch 
1501 gelebt. Das Leb, das ihm Krafst (S. 251) und Scholtz (S. 270) erteilen, scheint nicht 
begründet zu sein: auch nach eigenem Zeugnis in seinen von Pistorius (Briefbuch) aufbewahrten 
Briefen war er heftig und streitsüchtig (Rördam S. 680).
	        
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