Full text: Das Benediktinerkloster Klus bei Gandersheim und die Bursfelder Reform

Konrad Hammenstede 95 
Ihnen reiht sich ein weiterer Kluser Mönch an, das ist der schon oben ander- 
weitig als Künstler erwähnte Bruder Konrad Hammenstede, von dem 
bezeugt war, daß er die Kirche ausgemalt hatte.* Er ist auch der Schreiber 
eines umfangreichen Kodex, der nach Ausweis der Stempel von Johannes 
von Brakel eingebunden worden ist. Diese Handschrift, cod. 1359 Helmst. 
(O0. v. Heinemann Nr. 1473), ist so recht ein Produkt des Reformgeistes, 
des erneuerten frommen Lebens, der weltabgewandten, erbaulichen Stim- 
mung, der der Schreiber in einer Art Vorwort Ausdruck gibt: Liber sancti 
Georgii in Clusa, quem quidam inutilis et infirmus frater ibidem, pro ut 
dominus dedit, collegit de diversis libris et scripturis pro sua devotione et 
instructione et consolatione in adversis judicans secundum parvitatem 
ingenii sui hic collecta et conscripta esse necessaria cuique simplici fratri 
ut illa semper ad manum habeat in quibus consolationem et devotionem 
non modicam invenire poterit.? Für die Erbauung ist dieses Werk zıt- 
zammengestellt. Es ist eine Kompilation in der Tat, von zahlreichen Ab- 
schnitten, Auszügen aus Schriften der großen Kirchenväter, der Ordens- 
regel und anderer Schriftsteller, die über das Mönchsleben geschrieben 
haben. Es ist also eines jener damals so beliebten Collectarien® oder 
Manuale, die oft schon einen den Zweck andeutenden Titel haben, wie 
Seelentrost u. ä. Der Schreiber nennt selbst sein Buch Manuale.4 Er be- 
ginnt mit zahlreichen Exzerpten aus Augustin: Meditatio de domino nostro 
Jesu Christo; item de deo; item de beata Maria virgine; item de anima usw. 
Dann folgen umfangreiche Auszüge aus der Regel Benedikts, Abschnitte 
aus Vätern über das Mönchsleben: De monastica vita; Descriptio veri 
religiosi u. a. Die Formula honestae vitae des hl. Bernhard, desselben 
Exhortatio ad juvenem monachum, Briefe Gerhard Groots u. a. An einer 
Stelle5 hatte der Schreiber auch Angaben über seine Persönlichkeit nieder- 
geschrieben. Sie sind ihm dann aber als ein Zeichen von Hochmut er- 
schienen; darum wischte er den Abschnitt mit Tinte wieder breit aus und 
schrieb dazu am Rande: dominus dixit me hoc ex superbia scripsisse. 
Igitur , . . Glücklicherweise ließ sich der Abschnitt noch entziffern, Danach 
ist also Konrad Hammenstede der Schreiber des Kodex. Er hat ihn ge- 
ı S. oben S. 55. 2 fol. 3. 
„Rapiarium‘‘ ou „,collectarium‘“ — ainsi appellait-on ä Windesheim ces 
recueils personnels de textes edifiants (P. Debongnie, Jean Mombaer 1927. S. 8). 
1 fol. 3: In isto libellulo qui dicitur Manuale, continentur ... 
* Diese ausführliche Notiz steht fol. 265%: Anno domini millesimo quadrin- 
gentesimo nonagesimo secundo ego frater Conradus Hammenstede omnium 
monachorum novissimus et indignum nomen monachi portans hec prout dominus 
dedit de diversis libris et scripturis collegi pro propria devotione et instructione 
et consolatione in adversis et aliorum quibus hec placent anno etatis mee quin- 
quagesimo secundo [. .. folgendes ist nicht lesbar] O. v. Heinemann a. a. O. ist 
diese aufschlußreiche Stelle entgangen.
	        
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