Full text: Das Benediktinerkloster Klus bei Gandersheim und die Bursfelder Reform

18 Die Kluser Chronik und ihr Verfasser Henricus Bodo 
Äbte nach der Reform, das sind Johannes Dederoth (1430-1439), Abt 
Hermann (1439-1446), Abt Gottfried (1446-1460), Abt Wedego (1460 
bis 1505). Unter diesem letzteren erlebt das kleine Kloster Klus seinen in 
jeder Beziehung außergewöhnlichen Aufschwung. 
Nicht unwichtig ist die Frage nach dem Quellenwert der Chronik Bodos. 
Wieweit ist dem Chronisten Glauben zu schenken? Wieweit war er über- 
haupt imstande, der Wahrheit gemäß zu berichten?! Da ist einmal zu be- 
tonen, daß Bodo für einen Teil des Geschehens, namentlich zur Zeit des 
sehr wichtigen Abtes Wedego, Augenzeuge ist und nach eigenem Erleben 
berichten kann. Für die Zeit vorher bestand ohne Zweifel im Kloster noch 
eine recht lebendige mündliche Tradition. Bodos erster Abt, unter dem er 
als Novize eintrat, reicht noch in die Zeit des zweiten Reformabtes Gott- 
fried zurück und hatte noch mit Brüdern zusammengelebt, die den Anfang 
der Reform gesehen hatten. Es hat jedenfalls für einen historisch einge- 
stellten Geist, wie es Bodo ist, sehr wohl die Möglichkeit bestanden, sich 
über die Anfänge der später so berühmt gewordenen Reformbewegung zu 
unterrichten. Bodo hatte ferner das Klosterarchiv zur Verfügung mit 
einem für diese Zeit ziemlich reichen Bestande. Daß er es benutzt hat, gibt 
er ja selber im Vorwort an (s. oben). Die zahlreichen Zitate in seiner Chro- 
nik, wenn er von in litteris spricht, in denen er dies und jenes gefunden hat, 
beweisen es ebenso. Am überzeugendsten erkennt man es, wenn man diese 
Urkunden selbst nachprüft, die heute im Landeshauptarchiv zu Wolfen- 
büttel ruhen. Eine weitere Quelle für zahlreiche Nachrichten boten Ein- 
träge in Handschriften und Drüuckwerken, seien es nun Notizen über den 
Schreiber, Geschenkgeber oder anderweitige Einträge: non exiguo labore 
vetustissimos codices vel libros revolvimus. Die nachspürende Prüfung in 
den noch heute erhaltenen Kluser Handschriften und Drucken, die sich 
jetzt in der Bibliothek zu Wolfenbüttel befinden, legt es auch hier offen, 
daß Bodo tatsächlich so und mit Fleiß gearbeitet hat. Zusammenfassend 
kann man wirklich sagen: Es 1äßt sich in all den zahlreichen Fällen, wo 
noch heute eine Kontrolle der Nachrichten Bodos möglich war - nament- 
lich Nachrichten über Besitzveränderungen und Gütererwerb, die zahl- 
reichen Nachrichten über die umfangreiche Bautätigkeit im Kloster, die 
Nachrichten über die Bibliothek, über die Schreibtätigkeit der Brüder u. a. 
-es läßt sich da überall feststellen, daß Bodo in jeder Hinsicht sich streng 
an seine Quellen hält und sich einer peinlichen Genauigkeit befleißigt, so 
daß kein Anlaß vorhanden ist, auch die heute nicht mehr kontrollierbaren 
Nachrichten, die an Zahl wie an Bedeutung nur einen Bruchteil der Ge- 
samtnachrichten ausmachen. in Zweifel zu ziehen. 
ı Wie bedeutungsvoll diese Frage ist, erhellt ohne weiteres daraus, daß weit 
ältere Berichte über die Bursfelder Reform wie Trithemius, Johannes Busch 
höchst unglaubwürdig sind: vgl. H. Herbst, Anfänge der Bursfelder Reform.
	        
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