Full text: Das Benediktinerkloster Klus bei Gandersheim und die Bursfelder Reform

20 Die Kluser Chronik und ihr Verfasser Henricus Bodo 
meines Erachtens nicht zweifelhaft, daß wir in diesem Abt zu Steina 
unseren Kluser Chronisten Henricus Bodo wieder zu erkennen haben.! 
Von entscheidender Bedeutung in dieser Hinsicht ist die Namensform 
unseres Chronisten. Er selbst nennt sich in der Kluser Chronik, z. B. in der 
Liste der Brüder (fol. 144v): Hinricus Bodo Alveldianus, Nur an einer Stelle 
im ganzen Werk, die ganz sicherlich von Bodos Hand geschrieben ist, aber 
erst etwas später hinzugefügt wurde?, begegnet als nachträgliche Hinzu- 
fügung zu dem Titel: In Chronica subsequentia proemium am oberen Rand 
vön fol. 116v an gleicher Stelle auf der gegenüberliegenden Seite fol, 1177 
die Autorbezeichnung: fratris Hinrici Angelonii alias Bodonis. Hier er- 
scheint also der Name des Chronisten in der Form Hinricus Angelonius 
alias Bodo. Wie ist dieser zweifache Name zu erklären, der auf ein und 
dieselbe Person geht? Ein anderes, ganz gleich gelagertes Beispiel aus der 
Kluser Chronik Bodos gibt hier einen Hinweis zur Deutung. Unter Abt 
Wedego begegnet im Kloster Klus ein frater Theodericus Bothe?®, der auch 
als Schreiber von Handschriften nachweisbar ist. In einer dieser Hand- 
schriften wird er einmal genannt Bote alias Ufelmann. Dieser Theodericus 
Bote alias Ufelmann ist nun der Sohn eines Bürgers zu Gandersheim, der 
den Namen Bothe Uffelmann hat. In diesem Falle ist es ganz deutlich, wie 
bei dem Sohne auch der Vatersname auftaucht. Die gleiche Sachlage ist 
bei dem Namen des Kluser Chronisten zu erkennen. Henricus Bodo und 
Henricus Angelonius sind Namen für die gleiche Persönlichkeit. Der Kluser 
Chronist Henricus Bodo alias Angelonius und der Steinaer Abt Henricus 
Angelonius oder Henricus Boden alias Angeloni sind in der Tat identisch. 
Diese Gleichung Henricus Bodo = Henricus Angelonius hat aber noch 
eine weitere Folge, Ich brauche nur daran zu erinnern, daß Henricus 
Angelonius eine zwar nicht ganz unbekannte, aber bisher noch nicht 
identifizierte und näher bestimmte Schriftstellerpersönlichkeit ist. Unter 
diesem Verfassernamen geht ein noch ungedruckt gebliebenes und nicht 
sehr umfangreiches Schriftchen*, das über die Anfänge der Bursfelder 
Reform handelt und bisher von allen Forschern, die sich damit beschäftigt 
haben, für einen teilweise wortwörtlichen Auszug aus jr Kluser Chronik 
des Mönches Heinrich Bodo gehalten worden ist. Es leidet indes keinen 
Zweifel, daß auch diese einem bisher weiter nicht bekannten Verfasser 
Henricus Angelonius zugeschriebene Schrift über die Anfänge der Burs- 
zwischen dem Kloster Steina und dem Rate zu Nörten betreffend die Rechte an 
dem sog. Klosterwald. 
' Über diesen Steinaer Abt brauche ich hier nicht weiter zu handeln. 
* fol. 1177; die Stelle ist mit schwächerer Tinte geschrieben, aber der Duktus 
von Bodos Hand ist nicht zu verkennen. 
3 Über ihn vgl. die weiteren Ausführungen auf S. 84f. N 
' Ich habe den Text im Anhang ediert und dort alles Notwendige über die Über- 
lieferung mitgeteilt.
	        
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