Full text: Das Benediktinerkloster Klus bei Gandersheim und die Bursfelder Reform

22 Geschichte der Reform zu Klus 
und der Verfasser unseres Traktats, beide in gleich auffallender Art, 
Letzterer hält sogleich in seinem Vorwort die Tatsache fest: Mater refor- 
mationis Clusa est. Von der Tochter, d. i. Bursfeld, reden viele, aber die 
Mutter, d. i. Klus, ist schon ziemlich der Vergessenheit anheimgefallen. 
Ja, es ist dem Autor auch bekannt, daß selbst in Saxonia heute kaum noch 
einige wissen, wo die Reform begann und wer ihr Begründer war, Diesem 
Zustand will seine Schrift abhelfen.? 
Noch einmal ausführlich gibt er diesem Gedanken Ausdruck am Ende 
des 3. Kapitels: Reformationis ergo Bursfeldensis mater Clusense est ceno- 
bium licet nonnulli aliis matris honorem asscripserunt sed omnino falsi 
fallunt nescientesque unde originem traxerint sue conversationis.? Also auch 
in ihrer Tendenz und in ihren Absichten stimmen beide Schriften überein. 
In beiden Schriften läßt sich der Verfasser es angelegen sein, den Ruhm 
des kleinen Klosters Klus als der Geburtsstätte der Bursfelder Reform 
leuchten zu lassen. 
Die sichere Zuweisung dieses kleinen Traktates an Heinrich Bodo alias 
Angelonius ist für die Kenntnis der Geschichtschreibung der Bursfelder 
Union von nicht geringer Bedeutung. Auch das Bild unseres Chronisten 
selbst vermag hierdurch nicht unwesentlich bereichert zu werden. Für die 
Geschichte von Klus und die dortige Reformarbeit dagegen bietet der 
Traktat nichts Neues. In dieser Hinsicht bleibt die Kluser Chronik die 
Hauptquelle für unsere Darstellung. An der Wahrheit des von Bodo Be- 
richteten zu zweifeln, hat sich keinerlei Anhalt geboten. Wie reich sein 
Bericht nun an Tatsachen über den Verlauf der Reform zu Klus und an 
Einzelheiten zur Klostergeschichte dieser Zeit ist, das werden die folgenden 
Kapitel lehren. 
DRITTES KAPITEL 
GESCHICHTE DER REFORM ZU KLUS 
Die Schilderung der Vorgänge in Klus bei der Durchführung der Reform 
ist zugleich ein Bericht über die Anfänge der Bursfelder Reform. Denn 
Klus, dies kleine Benediktinerkloster in der Nähe von Gändersheim, im 
Schatten des dortigen mächtigen Stiftes lebend und in vielfacher Beziehung 
von ihm abhängig, ist die Wiege der Bursfelder Reform. Hier wurde erst- 
ı Daß ihm die Verhältnisse in Sachsen besonders bekannt sind, beweist auch 
sein Hinweis auf den Niedergang Korveis am Ende des 1. Kapitels, 
® An einer weiteren Stelle, am Ende von Kapitel 8, gibt er diesem Gedanken 
noch einmal Ausdruck in Abwehr gegen eine Ansicht, daß Johannes Rode 
der Begründer der Bursfelder Union gewesen. sei: Non autem inceptor fuit 
Bursfeldensis observantie sed magis illam acceptavit et acceptam dilatavit. 
Citra enim omne dubium in Clusa per dominum joannem cepit de munden qui 
Bursfeldensis abbas factus illud reformationis matrem fecit.
	        
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