Full text: Die geistige Wendung des Maschinenzeitalters

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sein von jenem Persönlichkeitsdünkel des alten bürgerlichen Libe 
ralismus. Kameradschaftsgeist und Solidaritätsgefühl wird darin 
enthalten bleiben. Ein jeder soll selbständig werden in der Gruppe, 
soll seine eigene Kraft steigern, um die Fülle der Aufgaben ge 
stalten zu helfen, um die Menschen in ihren hilflosen Massen glie 
dern zu helfen. Wir brauchen eine Generation, in der jeder einzelne 
mit verantwortlich wird. Noch fehlt es überall an einzelnen Men 
schen, die etwas können und ihre Fähigkeiten doch in einem über 
privaten, in einem sozialen Sinn verwenden. Unser Bildungsziel 
wird sich notwendig mehr und mehr verschieben. Weniger Wissen, 
mehr Können Ist schon jetzt die Parole. Diese durch die neuen 
Verhältnisse erforderliche Zielverschiebung ist natürlich vielfach 
noch umstritten, und große Telle des Volkes leben noch nicht 
unter dem vollen Zwang und Glück der technisierten Gegenwart. 
Das einfache Können wird entscheiden. In unserem öffentlichen 
Leben ist deutlich schon jetzt nicht mehr der große Gelehrte der 
Typus, nach dem man sich richtet, sondern der Wirtschaftsführer, 
der Ingenieur und Sportsmann, also der Mann, der etwas ganz 
Bestimmtes kann. 
Daß man Erziehung zum Können einseitig Im Sinn der Dressur 
auf irgendeine bestimmte mechanische Teilvorrichtung auffaßt, ist 
die große pädagogische Gefahr unseres technischen Zeitalters, der 
man aber nicht etwa mit einer Erziehung zum allgemeinen Viel 
wissen begegnen darf. Vielmehr wird das könnende Verhalten des 
Künstlers bei dieser pädagogischen Wendung eine beispielhafte Be 
deutung gewinnen. Statt Erziehung zum Wissen, mehr Übung im 
Können und Gestalten, das ist der Grundsatz, nach dem das ganze 
Volksbildungswesen und zunächst vor allem die Lehrerbildung um 
gebaut werden muß, und, wenn man Anfänge richtig deutet, auch 
umgebaut wird. 
Die öffentliche Wertschätzung von Kunst und künstlerischem 
Schaffen hat in den Jahren seit der Inflation deutlich zugenommen. 
Man sieht In der Kunst nicht mehr wie früher den unverantwort 
lichen Ausdruck eines privaten Schaffenstriebes. Kunst soll ver 
deutlichen, was unsere Zelt will. Baukunst, Film, Musik, Theater
	        
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