Full text: Die Kommunistischen Parteien in Aktion

27 
In der gleichen Zeit kam es noch zu den Streiks bzw. Aussperrungen der 
35 000 Textilarbeiter in Sachsen und Thüringen. Die Gewerkschaftsopposition 
beteiligte sich an dieser Bewegung, wobei sie nicht nur gegen die Kapi 
talisten und die Reformisten, sondern auch gegen die Rechten und die Ver 
söhnler zu kämpfen hatte, die gegen die neue Taktik der KP Deutschlands 
in den wirtschaftlichen Kämpfen waren. Die Gewerkschaftsopposition orga 
nisierte und führte die Reichs- und Bezirkskongresse durch und hat schließ 
lich die Betriebsrätewahlen 1929 durchgeführt und wiederum trat sie bei 
den Wahlen 1930 in mehr als 1000 Betrieben, wenn auch nicht überall mit 
gleichem Erfolg auf. Vorstehend wurden die Tatsachen aufgezählt, die be 
sagen, daß die Verbindungsorganisation der Partei zu den Massen durch die 
Gewerkschaftsopposition mehr oder minder normal funktionierte. Leider 
sind die Tatsachen, die besagen, daß diese Verbindungsorganisation über 
haupt nicht oder schlecht funktionierte, weit zahlreicher. Diese Tatsachen 
sind folgende: 
a) Die Gewerkschaftsopposition mußte ihre Arbeit nach zwei Richtungen 
betreiben: außerhalb und natürlich innerhalb der Gewerkschaften. Die 
Arbeit außerhalb der Gewerkschaften mußte darin zum Ausdruck kom 
men, daß eigene führende Organe im Zentrum und in den Bezirken 
organisiert bzw. gefestigt, eine eigene Presse herausgegeben und ihr Ver 
trieb geregelt wurde. Ferner, daß unter den Organisierten und Erwerbs 
losen gearbeitet und die einen sowie die anderen zur Beteiligung au den 
eigenen Kongressen und Konferenzen herangezogen und die Erwerbslosen 
für die Erwerbslosenräte und -ausschüsse gewonnen wurden, die von ihr zu 
bilden waren; daß die Betriebsrätewahlen dort, wo die unorganisierten Ar 
beiter infolge ihrer zahlenmäßigen Stärke die Hauptrolle spielen, vorbereitet 
und durchgeführt, daß ihre Arbeit geleitet und der selbständige wirtschaft 
liche Kampf des Proletariats vorbereitet und geleitet wurde. Die zweite und 
nicht unwichtige Aufgabe der Gewerkschaftsopposilion sollte darin bestehen, 
innerhalb der Gewerkschaften zu arbeiten und dort unermüdlich, in energi 
scher und sachgemäßer Tätigkeit die Reformisten von der Tagesarbeit zu 
verdrängen, an die sie sich immer noch klammern, und gleichzeitig vor den 
Mitgliedern der Gewerkschaften und den Arbeitermassen die verräterische 
und slreikbrecherische Rolle der Reformisten zu entlarven. Die Gewerk 
schaftsopposition sollte durch ihre Mitglieder innerhalb der betreffenden 
Gewerkschaften nicht nur mit einer rücksichtslosen Kritik der Reformisten 
auftreten, sondern auch eigene konkrete Vorschläge zu allen Fragen des 
gewerkschaftlichen Lebens in allen Versammlungen der Gewerkschaftsmit 
glieder, in allen Delegiertenversammlungen und auf allen Kongressen ein- 
bringen. Die Gewerkschaftsopposition sollte den Kampf führen um jede 
Wahlfunktion in der Gewerkschaft, wenn sich an diesen Wahlen Gewerk 
schaftsmitglieder beteiligen, unter denen die Gewerkschaftsopposition ihr 
Programm entfalten kann, unabhängig davon, ob sie diese Wahlfunktion zu 
erobern vermag oder nicht. Zwecks erfolgreicher Erreichung der ersteren 
Aufgabe — der Arbeit der Gewerkschaftsopposition außerhalb der Gewerk 
schaften — ist es unbedingt notwendig, zu wissen, was die Gewerkschaften 
tun und wie sie leben, denn bis jetzt sind die Reformisten, hinter denen 
der gesamte bürgerliche Staatsapparat steht, noch derart stark — und zwar
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.