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In der gleichen Zeit kam es noch zu den Streiks bzw. Aussperrungen der
35 000 Textilarbeiter in Sachsen und Thüringen. Die Gewerkschaftsopposition
beteiligte sich an dieser Bewegung, wobei sie nicht nur gegen die Kapi
talisten und die Reformisten, sondern auch gegen die Rechten und die Ver
söhnler zu kämpfen hatte, die gegen die neue Taktik der KP Deutschlands
in den wirtschaftlichen Kämpfen waren. Die Gewerkschaftsopposition orga
nisierte und führte die Reichs- und Bezirkskongresse durch und hat schließ
lich die Betriebsrätewahlen 1929 durchgeführt und wiederum trat sie bei
den Wahlen 1930 in mehr als 1000 Betrieben, wenn auch nicht überall mit
gleichem Erfolg auf. Vorstehend wurden die Tatsachen aufgezählt, die be
sagen, daß die Verbindungsorganisation der Partei zu den Massen durch die
Gewerkschaftsopposition mehr oder minder normal funktionierte. Leider
sind die Tatsachen, die besagen, daß diese Verbindungsorganisation über
haupt nicht oder schlecht funktionierte, weit zahlreicher. Diese Tatsachen
sind folgende:
a) Die Gewerkschaftsopposition mußte ihre Arbeit nach zwei Richtungen
betreiben: außerhalb und natürlich innerhalb der Gewerkschaften. Die
Arbeit außerhalb der Gewerkschaften mußte darin zum Ausdruck kom
men, daß eigene führende Organe im Zentrum und in den Bezirken
organisiert bzw. gefestigt, eine eigene Presse herausgegeben und ihr Ver
trieb geregelt wurde. Ferner, daß unter den Organisierten und Erwerbs
losen gearbeitet und die einen sowie die anderen zur Beteiligung au den
eigenen Kongressen und Konferenzen herangezogen und die Erwerbslosen
für die Erwerbslosenräte und -ausschüsse gewonnen wurden, die von ihr zu
bilden waren; daß die Betriebsrätewahlen dort, wo die unorganisierten Ar
beiter infolge ihrer zahlenmäßigen Stärke die Hauptrolle spielen, vorbereitet
und durchgeführt, daß ihre Arbeit geleitet und der selbständige wirtschaft
liche Kampf des Proletariats vorbereitet und geleitet wurde. Die zweite und
nicht unwichtige Aufgabe der Gewerkschaftsopposilion sollte darin bestehen,
innerhalb der Gewerkschaften zu arbeiten und dort unermüdlich, in energi
scher und sachgemäßer Tätigkeit die Reformisten von der Tagesarbeit zu
verdrängen, an die sie sich immer noch klammern, und gleichzeitig vor den
Mitgliedern der Gewerkschaften und den Arbeitermassen die verräterische
und slreikbrecherische Rolle der Reformisten zu entlarven. Die Gewerk
schaftsopposition sollte durch ihre Mitglieder innerhalb der betreffenden
Gewerkschaften nicht nur mit einer rücksichtslosen Kritik der Reformisten
auftreten, sondern auch eigene konkrete Vorschläge zu allen Fragen des
gewerkschaftlichen Lebens in allen Versammlungen der Gewerkschaftsmit
glieder, in allen Delegiertenversammlungen und auf allen Kongressen ein-
bringen. Die Gewerkschaftsopposition sollte den Kampf führen um jede
Wahlfunktion in der Gewerkschaft, wenn sich an diesen Wahlen Gewerk
schaftsmitglieder beteiligen, unter denen die Gewerkschaftsopposition ihr
Programm entfalten kann, unabhängig davon, ob sie diese Wahlfunktion zu
erobern vermag oder nicht. Zwecks erfolgreicher Erreichung der ersteren
Aufgabe — der Arbeit der Gewerkschaftsopposition außerhalb der Gewerk
schaften — ist es unbedingt notwendig, zu wissen, was die Gewerkschaften
tun und wie sie leben, denn bis jetzt sind die Reformisten, hinter denen
der gesamte bürgerliche Staatsapparat steht, noch derart stark — und zwar