16
des Konvents, in dem Muße, als sich die Herrschaft der Bour
geoisie entwickelte, eine Armee des Staatsmilitarismus der
Bourgeoisrepublik. Preußen-Deutschland mußte, um Frank
reich zu schlagen, Frankreich mit den Methoden der französi
schen Revolution, mit dem Massenaufgebot bekämpfen.
Der Militarismus vor dem Weltkrieg.
Seit der französischen Revolution war die Grundlage des
Militarismus der Staaten des europäischen Kontinents das
Heer der allgemeinen Wehrpflicht. Die allgemeine Wehr
pflicht der Bourgeoisie hat einen revolutionären Ursprung. Der
Kapitalismus entwickelt so wie andere Klassengesellschaften
seine besondere Waffe, seinen besonderen Militarismus. —
Die Gewalt ist ökonomisch bedingt, und 1 deshalb konnte der
Kapitalismus vor dem Krieg durch die allgemeine Wehrpflicht
das ganze Volk der Besitzlosen und Unterdrückten gegen die
Besitzlosen und Unterdrückten führen. Solange die Proleta
rier im Waffenrock nicht das Bewußtsein hatten, daß sie einer
fremden ihnen feindlichen Klasse dienen, waren sie getreue
und geduldige Sklaven des Kapitals. Die Expansionsbestre
bungen d'es Militarismus vor dem Krieg wurden durch die
Rüstungen noch verschärft. Seit dem deutsch-französischen
Kriege des Jahres 1871 bis zum Weltkrieg 1914 hat der Mili
tarismus eine rapide Entwicklung im gleichen Maße wie der
Kapitalismus durchgemacht. Und die Anwendung des Milita
rismus nach innen ging parallel mit seiner Anwendung nach
außen gegen den sogenannten nationalen Feind 1 .
Für das Kapital ist der, Militarismus eine der wichtigsten
Anlageformen. Durch den Militarismus konnte sich der Kapi
talismus weiter entwickeln. Neben der Kolonialpolitik trugen
die militärischen Rüstungen in erster Linie zur Hebung d'es
ökonomischen Lebens des Kapitalismus bei. Der Militaris
mus schafft dem Kapital eine gewinnreiche und unentbehrliche
Aniageart. Rosa Luxemburg schrieb darüber:
.,Es ist zwar klar, daß dieselben Mittel, die, durch Be
steuerung in die Hände der Regierung gelangt, zur Erhaltung
des Militarismus dienen, wenn sie in der. Hand 1 der Bevölke
rung geblieben wären, eine gewachsene Nachfrage nach Le
bensmitteln darstellten, oder, vom Staate in größerem Maß
stabe zu Kulturzwecken angewandt, gleichfalls eine ent
sprechende Nachfrage nach gesellschaftlicher Arbeit schaffen
wiirdlen. Es ist zwar, klar, daß auf diese Weise für die Ge
sellschaft im ganzen der Militarismus durchaus keine „Ent
lastung“ ist. Allein anders gestaltet sich die Frage vorn Stand
punkte des kapitalistischen Profits, vom Unternehmerstand-