Full text: Das Mitteldarmepithel der Insektenlarven während der Häutung

Bevor ich näher darauf eingehe, was in der Literatur bisher 
über die „Mitteldarmhäutung“ der Insekten bekannt geworden 
ist, sei es mir vergönnt, Herrn Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. F. E. Schulze 
für die Ueberlassung eines Arbeitsplatzes und der reichen Hilfs- 
mittel des Zoologischen Institutes meinen besten Dank auszu- 
sprechen. Herzlichen Dank schulde ich ferner dem ersten 
Assistenten des Institutes, Herrn Prof. Dr. Deegener, nicht nur 
für die Anregung zu dieser Arbeit, sondern auch für den jederzeit 
bereitwilligst erteilten Rat. 
Historisches. 
Die: früheste Bemerkung, die ich in der Literatur über die 
Frage, die uns nunmehr genauer beschäftigen wird, gefunden 
habe, rührt von Frenzel (1882) her, der konstatiert, dass das 
Mitteldarmepithel der Larve von Tenebrio molitor während der 
Häutung keine wesentliche Veränderung erleide, da der Mittel- 
darm während dieser Periode im Gegensatz zu Vorder- und 
Enddarm mit Speise gefüllt sei, eine Begründung, die auf immer- 
hin recht schwachen Füssen steht. 
Bereits drei Jahre später teilte Sommer (1885) in seiner 
Arbeit über Macrotoma plumbea mit, dass das Mitteldarmepithel 
dieses Collembolen während der Häutungen, die auch das er- 
wachsene Tier noch mehrmals durchzumachen habe, völlig abge- 
stossen und durch ein neues ersetzt werde, ein Vorgang, der nur 
dann unterbleibe, wenn der Mitteldarm mit Gregarinen infiziert 
sei. Auf die Herkunft der Zellen, die das neue Epithel bilden, 
geht er nicht näher ein, er erwähnt nur, dass sie auf frühen 
Stadien mit breiter Basis der tunica propria aufsitzen, während 
die alten Epithelzellen, „mit ihrem unteren schmaleren Teil 
zwischen die ersten eingezwängt, mehr in das Lumen des Darmes 
vorragen“, 
Das abgestossene alte Epithel, das als wurstförmige Masse 
in dem bereits mit einem neuen wohlausgebildeten Epithel ver- 
sehenen Mitteldarm liege, findet Sommer von einer deutlichen 
Membran umgeben, mittels der es in innigem Zusammenhang 
mit der bereits abgelösten alten Chitinintima des Vorder- und 
Enddarms steht. Leider hat er keine genaueren Untersuchungen 
über die Natur dieser eigenartigen Hülle angestellt, so dass ihre 
Herkunft zunächst noch rätselhaft ist. 
Auf den ersten Blick könnte es allerdings scheinen, als ob 
man hier nach den von A, Schneider (1890) über den Bau des 
Arthropodendarms gegebenen Daten die nötigen Aufschlüsse ge-
	        
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