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oder des Ministerpräsidenten, sondern in die Privatwohnung
Wagcner's. Es vergingen ca. 1% Jahr und Dr. Dühring
hörte nichts wieder von seiner Arbeit; wohl aber verfaßte er
in dieser Zeit, gleichfalls ans Bestellung Wagener's, noch zwei
andere Denkschriften. Weder ein Honorar noch auch nur ein
„Schön Dank" wurde ihm zu Theil. Wohl aber stellte sich
für ihn nach 20 Monaten heraus, daß seine Denkschrift über
die sociale Frage, mit dem Namen Wageners als Autors
auf dem Titelblatt im Buchhandel (bei Thust in Leipzig)
erschienen war und bereits zwei Auflagen erlebt hatte. „Denk
schrift über die wirthschaftlichen Associationen re. von Her
mann Wagen er, Koni gl. Preuß. Geh. Reg.- und
vortragendem Rath im Staatsministerium" lautete es
gedruckt "auf der Broschüre. Dr. Dühring trat jetzt, nachdem
er von Wagener mit leeren Ausflüchten abgespeist worden war, *
in einer öffentlichen Erklärung gegen diesen auf, und die Sache
gedieh zunächst zu einem Zeitungskrie'ge, der ungeheures Auf
sehen machte. Interessant waren die Windungen und Wand
lungen Wageners, mit denen er versuchte, sich möglichst heil
aus der Affaire zu ziehen. Die Schrift wurde für unbedeutend
und verfehlt erklärt, so daß er, Wagener, kein Interesse daran
gehabt haben könne, seinen Namen auf dieselbe setzen zu lassen
— aber dennoch war ja die Schrift auf Veranlassung der Regie
rung an alle Minister und andere Persönlichkeiten der höheren
Regierungskreise ofsiciell vertheilt, ihr also keineswegs ein ge
ringer Werth beigelegt worden. Eine schaale berichtigende
Notiz im Buchhändler-Börsenblatt (!) und in der Kreuzzeitung
erfolgte bezüglich der Autorschaft: aber selbstverständlich ließ es
Dr. Dühring dabei nicht bewenden; Vermittler kamen zu Dr.
Dühring unter der Maske von Leuten, welche „seine Bekannt
schaft" suchten: aber er war für sie nicht mehr zu Haufe, so
bald sie die Maske fallen ließen; man bot ihm ein „Honorar"
als Entschädigung: aber er wies es entrüstet zurück; man suchte«
die Verbreitung der Schrift als einen Buchhändler-Coup deö
Thust'fchen Verlages darzustellen: aber es ergab sich, daß
Wagener selbst die Broschüre an die Landtags - Mitglieder in
großer Zahl per Post versandt und — pro Exemplar einen
Preis von 15 Sgr. eingezogen hatte! Kurz: Wagener saß fest
in der Schlinge und sah wohl ein, daß er hier stärkere Mittel
anwenden müsse. Er dachte an sein altes, so oft mit Glück
angewendetes Princip der — Denunciationen und griff von
Neuem dazu. Er denuncirte gegen Dr. Dühring wegen Ver
leumdung! Er erreichte damit in der That, daß Dr. Dühring
Einmal zur Information vernommen wurde, — weiter aber
auch Nichts: weder eine Anklage wurde erhoben noch eine Vor
untersuchung angestrengt, noch hat Dr. Dühring je wieder von
dieser verunglückten Denunciation weiter etwas vernommen.