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Unmenge Beschwerden erledigen und die Budgetdebatte erleichtern.
Auch das würde Vorteile für die Geschäftsordnung haben.
Der Brmdesral
nur Dekoration für die preußische Bureaukratie.
Dabei möchte ich noch einen Gesichtspunkt erledigen, der zweifellos
-— ich glaube, er ist von Herrn Spahn in die Debatte geworfen — noch
eingewandt werden wird: wenn wir verantwortliche Neichsministerien,
wenn wir das parlamentarische Regime fordern, so verstößt das gegen
das föderale Prinzip. (Widerspruch in der Mtte.) Ja. Sie haben
aber in einer Beziehung das föderale Prinzip angeführt. Sie haben
ausgeführt (Erneuter Widerspruch.) — Na, das wird sich ja aus
weisen. Sie haben ein Wort von Bismarck angeführt, der das föderale
Prinzip immer vorbrachte, wenn er seine eigene Macht sichern wollte.
Tast wir auch eine föderale Leitung der Reichsgeschäfte haben, ist
auch, eine Fiktion. Ebensowenig, wie wir hier ein parlamentarisches
oder konstitutionelles System haben, ebensowenig wird durch den
Bundesrat das föderale Prinzip gewahrt. Der Bundesrat ist weiter
nichts als eine Dekoration für die Nrgierungsführung durch die preussische
Bureanlratie. (Sehr richtigI bei den Sozialdemokraten.) Die Reichs
regierung ist weiter nichts als ein Appenksix des preußischen Ministe
riums; die.Reichsregierung steht zu der preußischen Landesverwaltung
etwa in dem Verhältnis, wie zu dem Hauptetablissement eines Hotels
die Dependance. (Heiterkeit.) Das Beispiel paßt auch insofern, als so
wohl in dem Hotel wie in der Dependance »on dem nämlichen Ober
kellner die Trinkgelder einkassiert werden. (Große Heiterkeit.) Es ist
ja von Bismarck darauf hingewiesen worden, der Kanzler müsse, um
überhaupt etwas zu gelten, preußischer Minister sein, sonst habe er keine
Macht hinter sich, Und es ist ja ruhmend anerkannt worden, daß der
Herr Reichsschatzsekretär Sydow so klug war, sich diese Machtposition zu
sichern, um nicht in der Luft zu schweben. Das ist auch ein Beweis
dafür, daß in Wirklichkeit die Preußische Regierung die Reichsgeschäfts
führt, und daß die Herren vom Bundesrat nur dekoratives Beiwerk sind.
Wenn hier vom Reichskanzler oder von seinen Vertretern ein
gewandt wird, man müsse erst mit den verbündeten Regierungen ver
handeln, so ist das hinfällig, denn in allen wichtigen Fragen entscheidet
der Wille Preußens. Gegenwärtig ist die Handhabung der Reickis»
geschäfte derart, daß sogar die einzelnen Bundesstaaten mehr Schade«
leiden, als sie jemals leiden könnten, wenn wir eine einheitliche Rcichs-
derwaltnng auf Grund der Macht des Reichstages hätten. Was erleben
wir denn für Betätigungen des föderalen Prinzips? Das einzige, was
ich bei der Fincmzreform bemerkt habe, war. daß hin und wieder der
bayeistsche Herr Vundesbevollniächtigte sich hier in Positur stellte und in
einer vornehmen Weise sanft mit dem Hairpt schüttelte. (Große
Heiterkeit.)
Ich will Ihnen den tatsächlichen Beweis führen, wie durch dis
preußische Bureaukratie gerade die Interessen der Bundesstaaten von der
Reichsverwaltung unter der Maske der „Verbündeten Regierungen" ver
letzt werden. In der sogenannten Finanzreform befindet sich die Elcktri-
Zrtätssteuer, ein Greuel an sich, aber, meine Herren, eine Maßregel ins