14
besondere, welche, wie hier ja von verschiedenen Abgeordneten ausgeführt
worden ist, die Interessen des bayerischen Volkes schwer gefährdet, (Sehr
wahr! in der Mitte und bei den SozialMnokraten.) Wo blieb denn dH
der bayerische BundesräDbevoümächtigte? (Heiterkeit.) Warum hat
er nicht das Wort genommen? Ich nehme an, daß die bayerische Rcgie-
rung im Bundesrate bemüht war, Opposition zu machen. Da ist sie
untergepslügt worden durch die Stimmen Preußens und die Stimmen
der immer Zur Verfügung stehenden allerkleinsten Staaten. Wenn wir
nun ein parlamentarisches Neichsministcrinm hätten auf Grund irgend
einer ReichstagSmehrheiL — Sie mögen sie aus den Parteien zusammen
suchen. wie Sie wollen —, das die Geschäfte in der Hand hätte, dann
frage ich Sie: würde dieses cs wagen, eine solche Steuer auch nur vor"
zuschlagen, die die Interessen der 6 Millionen Bancrn vor den Kopf
stößt und auch der übrigen süddeutschen Bundesstaaten? Jetzt ist daS
für'die preußische Bureaukratie eine quautitä ruSgligeable. Ja, wenn
es sich dagegen. um die Interessen von ein paar hinterpommerjchen
Junkern bandelt (lebhafte Zustimmung in der Mitte und bei den Sozial
demokraten), da werden hier sofort vom Bundesratstische aus die be
rechtigten Interessen dieses preußischen LanLesteils geltend gemacht.
Diese Beispiele ließen sich noch vermehren. So hat B. Herr
v. Payer auf die Württemberg verletzende Weinsteuer hingewwstn. Diese
Beispiele müßten Sie dach überzeugen, daß es tatsächlich eine Fiktion
ist, wenn inan davon spricht, daß das föderale Prinzist durch den Bundes
rat gewahrt würde! 'Gerade das Interesse der einzelstaatlicheu Bevölke
rung wird sicherer gewahrt, wenn ein Reichsministerium infolge der tat
sächlichen Ernemmng durch den Reichstag die Geschäfte führt.
Die Machtmittel des Reichstages.
Nun fragt es sich, meine Herren: wie sollen die Vcrfassungsände
rungen durchgeführt werden? Wenn Sie in der Weise operieren, wie
die beiden Herren Vorredner das wollen, dann werden Sie gar nichts
erreichen! Sie wollen so vorgehen, daß Sie auf die freundliche Verein
barung mit den Herren von der Bundesregierung sich verlassen. Bei
allen Anträgen, die der Bundesregierung unbeyuem sind, wird es dann
zu nichts kommen: sie verschwinden einfach im Papierkorb. Vielleicht?
noch Jahre hindurch werden Sie vertröstet werden. (Sehr richtigI bei
Len Sozialdemokraten.)
Ich erinnere daran, daß der Abgeordnete Trgeger vor einiger steil
aus seiner langjährigen Parlamentserfahrung erzählt hat: seit 30
Jahren habe ich Pas erlebt, daß hier Wünsche über die Justizform, An
träge und alles Mögliche vorgebracht wurden: immer kam vom Bundes
rat die Auskunft: mir sieben die Sache in Erwägung — und sie erwägen
das nun schon 30 Jahre lancz und erwägen immer noch weiter. (Heiter
keit.) Glauben Sie, daß Sie dabei besser fahren werden, wenn Sie den
Herren die Möglichkeit lassen, die Verfassungsreform in der Weise zu
erledigen? Die Verschleppung würde einsetzen, und Sic würden nichts
creicben, soliinge Sie nur vcrrinbnrcn lootlcn, solange Sic nnr bitten nnd
die Machtmittel, die Sic haben, nicht ausnutzen. (Sehr richtig! bei den
Sozialdemokraten.)
Wenn Sie demnach so operieren, wie es Herr Dr. Müller (Meiningen)
Vorschlägt, wenn Sie bitten, so erreichen Sie nichts. Aber wir haben