Full text: Heimweh: eine Auswahl aus Jung-Stillings Werken mit biographischer Einleitung

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Schon in den ältesten Geschichten der Offenbarungen 
Gottes an die Menschen wird des Schlachtopfers 
gedacht. Und späterhin sind sie dem Volke Israel 
als Versöhnungsmittel mit Gott für begangene 
Sünden anbefohlen worden. Die Idee, durchs feier 
liche Töten der Tiere in den Tempeln oder auf Altären 
an heiligen Orten die Gottheit zu versöhnen, war 
von allen Zeiten und ist noch immer so allgemein, 
daß sie notwendig eine göttliche Offenbarung zum 
Grund haben muß. Dann haben auch die Apostel 
so beständig, so anhaltend und so bestimmt das Leiden 
und Sterben Christi als das große und allgemeine 
Versühnopfer für die Sünden erklärt und auf den 
Glauben an dieses Opfer die Vergebung gegründet, 
daß ein Unbefangener nicht anders kann, als an den 
Opfertod Christi, als an die Versöhnung des Menschen 
mit Gott, zu glauben. Indessen bleibt das ganze Ver 
söhnungswerk ein Geheimnis, das ich diesseits kind 
lich glauben, aber nicht erhärten will. Die Israeliten 
mußten Kopf und Fett opfern, die Schenkel und das 
Eingeweide aber erst waschen und dann verbrennen. 
Wir müssen auch Kopf und Herz opfern. Dann 
schickt sich's hernach mit Händen und Füßen von 
selbst. Dann bestanden auch ihre Dankopfer aus 
Fett. Freilich kann ein magerer Dank unmöglich 
gefallen. Wir aber müssen alles, was wir sind und 
haben, ihm zum Dienst und zum Dank widmen. 
Keine Sünde wird ohne Feuer und Blut vergeben. 
Jede sinnliche Lust, die nicht zur Stärkung und Er 
holung nützlich ist, muß geschlachtet und verbrannt 
werden. Man muß die Schuldsündcn nicht gering 
schätzen. Jedes Übel, das durch mich, auch mir
	        
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