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Knabe: Bist Du der Ekkehart?
Nimm diesen Strauß!
Hab' selber'ihn für Dich gepflückt.
Mark: Dank Dir, mein Kind.
Was mich entzückt, (er weist auf die Blumen)
ist dieses nicht — es ist der „Sinn" des Tuns.
(Hebt ihn in die Höhe)
Ich küsse Deiner Locken gold'gen Glanz,
Ich halte Dich wie eine heilige Monstranz, —
Dich, — Jugend, — Zukunft Vandaluns!
(Die Musik geht in feierliche Akkorde über)
Ein unsichtbarer Chor von oben:
Aus dunklen Tiefen steigt empor das Große, —
aus Kampf und Leid erwacht das Heldentum.
Aus Not und Tod entstand uns der Befreier,
und feine Tat verkündet seinen Ruhm.
Sind frei nun und erlöst aus harten Banden
und dürfen sorglos nach der harten Arbeit ruh'n!
An einem Maientag versank einst Vandalun,
und in den Maien ist es auferstanden!
Die Musik geht in leises Orgelspiel über. Die Szene verdunkelt sich allmählich,
wird dann ebenso allmählich wieder hell und zeigt nun die Szene zun:
flacklprel
Gärtchen vor dem Hause des Kantors. Im Hintergründe sieht man die Turm
spitze oer Dorfkirche, aus der leises präludierendes Orgelspiel, das bald ver
stummt, herübertönt. Bom Hof her Hahnenschreie. Morgenstiinmung
(Links ein gedeckter Frühstückstisch, an dem der Kantor sitzt. Bärbel kommt
mit einer dampfenden Kanne)
Kantor: Wo bleibt denn unser Wandersmann?
Bärbel: Da kommt er eben.
Mark (tritt ans dem Hause, Rucksack und Stock in der Hand. Sein Haar ist
schneeweiß geworden)
Kantor: Da seid Ihr ja; kommt grad' zur rechten Zeit.
Nun, — gut geschlafen?
Mark (dem Orgelspiel lauschend): Abschiedsmusik —?
Kantor: Mein Amtsnachfolger, der junge Kantor übt in der Kirche für
den Sonntagsdienst.
(ihn überrascht ansehend): Seid Ihr der Mann von gestern ?