Full text: Die historische Rheinpolitik der Franzosen

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ist den Franzosen damals nicht das ganze Elsaß zugefallen, 
sondern nur ein Teil des Elsaß, und zwar derjenige Teil, 
in dem das Haus Habsburg auch die unmittelbare Landes 
hoheit besaß, während die Gebiete aller übrigen Land 
stände im Elsaß — der Bischöfe und Äbte, Grafen und 
Herren, Reichsstädte und Reichsdörfer — in unangefochtener 
Zugehörigkeit zum Deutschen Reiche verblieben. Wohl 
war den Franzosen, zum erstenmal in der Geschichte, das 
Vordringen an die Linie des Oberrheins gelungen, aber 
sie hielten diese Linie noch nicht als ein Ganzes in Händen. 
Wollten sie weiter kommen, dann durfte der Friede, den 
die europäische Menschheit aufatmend begrüßt hatte, für 
sie allein nicht ein Ende, sondern erst ein Anfang sein, 
ein Sprungbrett für neue Anläufe, für eine systematische 
Offensive, an deren Ausgang das politische Übergewicht 
der Franzosen im Reich und vielleicht noch mehr stand. 
Noch war Deutschland im Vergleich zu Frankreich der 
an Bevölkerung und Raumgehalt ansehnlichere Macht 
körper. Aber immer mehr galt von seinem politischen 
Gewicht das alte Wort Machiavellis: „Die Macht Deutsch 
lands ist groß, aber so, daß man sich ihrer nicht bedienen 
kann.“ Das Ziel der französichen Politik nach dem West 
fälischen Frieden mußte also darauf hinauslaufen, die 
Schlagfertigkeit seines zurückgebliebenen Nachbarn noch 
weiter herabzumindern, so daß er sich seiner latenten 
Macht immer weniger zu bedienen imstande war: auf diese 
Weise konnte dann eine dauernde Machtüberlegenheit der 
Franzosen begründet werden. So richtet sich ihr vornehmster 
Angriff gegen das Haus Habsburg, nicht nur weil dieses als 
Ganzes der weltpolitische Rivale Frankreichs war (und in 
einer längst zurückliegenden Vergangenheit auch ein ge 
fährlicher Rivale gewesen war), sondern weil es innerhalb 
der aufgelockerten deutschen Territorialwelt die kräftigste 
und organisierteste Staatsgewalt darstellte und — eben 
aus diesem Grunde — auch von den deutschen Fürsten
	        
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