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O. Meyer.
5. Versuch. Bei diesem Versuch ging ich aus vom Versuch 7.
Von 10 zu 10 Min. wurde Harn entnommen. Der vor dem Versuch von
dem durch 4tägige Wasserentziehung vorbereiteten Pferde erhaltene
Harn war kaffeebraun, ölig und fadenziehend. Die späteren Proben
waren hellbraun gefärbt und von öliger Konsistenz. Die Reaktion war
in jedem Falle sauer. Es war nicht möglich, einen Niederschlag oder
auch nur eine vorübergehende schleierförmige Trübung zu erhalten.
Am nächsten Tage erhielt ich von dem Pferde, das bis dahin noch
keinen Harn abgesetzt hatte, ca. '/4 Liter eines hellkaffeebraunen Harnes
von saurer Reaktion. Bei Zusatz von Millonschem Reagens zu dem
Filtrate entstand ein weißer, flockiger Niederschlag, der sich im starken
Ueberschuß des Reagens wieder löste.
6. Versuch, Diesem Versuche legte ich den Versuch 49 zugrunde,
Harn wird viertelstündlich bei dem etwas unleidlichen Tier entnommen.
Eine Aenderung in der Farbe und Reaktion des weingelben und stark
sauren Harnes war nicht festzustellen. Durch die Reaktion mittels
Millons Reagens erzielte ich nur eine Verfärbung bis in das Wein-
rote, aber nie einen Niederschlag oder auch nur eine Trübung.
Aus diesen Versuchen geht hervor, daß es mir beim Hunde
nicht möglich war, das Medinal im Harn einwandfrei nach-
zuweisen. Ich nehme die Reaktion im Versuch 2 als wahrscheinlich an.
Beim Pferde habe ich in einem Falle, in dem sich das ganze
während eines Tages ausgeschiedene Medinal in einer verhältnismäßig
kleinen Flüssigkeitsmenge befand, die Reaktion einwandfrei er-
halten. Ueber die Zeit, in der sich das Präparat im Harn zeigt, habe
ich nichts Sicheres feststellen können. Im übrigen sind auch die Unter-
suchungen beim Pferde negativ ausgefallen.
Komplikationen. Bei rektaler und stomachikaler Anwendung des
Medinals habe ich nie Nebenwirkungen und Komplikationen beobachtet,
ausgenommen von dem fast ausnahmslos bei jedem Versuche eintreten-
den Erregungsstadium. Niemals traten gastrische und intestinale Er-
scheinungen oder die einer Proktitis oder auch nur Mastdarmreizung auf.
Bei subkutaner Anwendung dagegen beobachtete
ich wiederholt Komplikationen. So traten beim Hunde und auch
einige Male bei der Katze eine deutliche schmerzhafte Schwellung
an den Injektionsstellen auf. In 5 Fällen beim Hunde und 1mal
bei der Katze erhielt ich Abszesse. Sie traten auf nach der Injektion
von hohen Dosen und bei Verabreichung von täglichen Gaben zur
Prüfung der kumulativen Wirkung.
Beim Pferde traten die Komplikationen mit großer
Sicherheit und so stark ein, daß sie allein schon eine
Verwendung des Medinals illusorisch machen würden.
In jedem Falle erhielt ich nach der subkutanen Injektion sehr starke,
heiße, sowie schmerzhafte Schwellungen, die zu derben, sklerotischen
Verdickungen führten und sehr langsam zurückgingen. In einem Falle
führten sie zur Abszedierung. — Störungen in der Futter- oder Wasser-
aufnahme oder in der Funktion der Nieren habe ich nicht beobachtet.
Zusammenfassung.
Aus den vorstehenden Versuchsreihen geht hervor, daß
es im allgemeinen möglich war, bei jeder Tierart ein typi-
sches Bild der Medinalwirkung zu erzielen, Bei allen begann