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fast niemals Schwierigkeiten bereiten. Die aus dem Keimepithel hervorgehende
adenomatöse Neubildung einerseits, die kleinzystisch erweiterten Follikel mit ihren
regelmäßigen Begleitern, den in Verödung begriffenen und verödeten kleinen und
mittelgroßen Follikeln, mit der Hyperämie und der Erweiterung der Lymphgefäße
bieten ein so charakteristisches Aussehen, daß eine Verwechselung kaum möglich
ist. Auch der einzelne erweiterte Follikel unterscheidet sich von einem etwa gleich
großen adenomatösen Zystenraum durch das Verhalten seiner der Theka ähnlichen
Wand mit kranzförmiger Gefäßanordnung so wesentlich, daß die Unterscheidung
auch bei nur geringer Erfahrung ohne weiteres möglich ist. Namentlich bedarf es,
was ausdrücklich hier hervorgehoben werden soll, fast nie des Nachweises von
Kiern oder Eiresten, Die Adenombildung kommt vornehmlich im höheren Alter
vor, während die follikuläre kleinzystische Degeneration sich meist bei jüngeren
Individuen, namentlich mit 18—26 Jahren findet.
Auch aus gelben Körpern können Zysten hervorgehen, Dieselben weichen
nach Grusdew (7) bei. erheblicher Größenzunahme vom ursprünglichen Typ ab
und ähneln dann den follikulären Zysten. Merkmale bleiben die Faltung der
Luteinschicht, Eine multiple zystöse Degeneration der gelben Körper tritt durch
multiple Hämatombildung in ihnen ein, Das Blut kann aus den Kapillaren der
Luteinschicht stammen, die sich in den Hohlraum öffnen. In einigen Fällen stellt
das Epithel, welches Iuteine Hohlgebilde (Hämatome und seröse Zysten) von innen
auskleidet, nichts anderes morphologisch dar, als modifiziertes Kapillarendothel
der Luteinschicht.
Ribbert (16) bezeichnet als die häufigsten Neubildungen des Ovariums die
epithelialen (zystische und solide). Zu den zystischen gehören die Follikularzysten,
die schon bei Neugeborenen einzeln und multipel vorkommen, und teilweise so
zahlreich sind, daß man von zystöser Entartung der Ovarien spricht, Die Ableitung
von Follikeln ist meist schwer, namentlich bei großen Zysten, da es auch Zysten
gibt, die ihren Ursprung aus Urnierenresten im Hilus nehmen und häufig multipel
sind, Andere an der Ovarialfläche sitzende Zystchen werden aus Einsenkungen
des Peritonealepithels oder des Keimepithels oder aus embryonal ausgeschalteten
Kpithelien abgeleitet, andere entstehen aus dem Parovarium (Lig. latum).
Viel wichtiger sind nach Ribbert die Kystome und Kystadenome, die eine
enorme Größe erreichen können. Dieselben sind zystische Neubildungen, die ent-
weder einen großen dickwandigen Raum darstellen oder aus vielen kleinen Zystchen
in gemeinsamem Peritonealüberzuge mit meist schleimigem Inhalt bestehen. Die
Innenfläche ist meist glatt oder ausgesprochen warzig, höckerig, papillär; erstere
sind mit einer an schleimbildenden Drüsen reichen Gewebslage ausgekleidet, letztere
haben, zuweilen auch außen, zottige, bindegewebige, manchmal auch blumenkohl-
artige Erhebungen, die von zylindrischem oder kubischem Epithel bedeckt sind
(glanduläre oder papilläre Kystome). Durch Platzen kann das Pseudomyxoma
peritonei durch den schleimigen Inhalt hervorgerufen werden. Kystome sind ein-
zeitig entwickelte Teratome.
Unter den primären Geschwülsten führt Aschoff (2) als Hauptvertreter der
epithelialen Reiho die Zystenbildungen an. Er unterscheidet folgende Arten der
/ystenbildung:
1. Sogenannte kleinzystische Degeneration der Ovarien. Es handelt sich um
das Auftreten einer größeren Anzahl von Zysten, welche durchschnittlich reifen