Full text: Beiträge zur Diagnose der Piroplasmose der Pferde

Es ist bekannt, daß Pferde, die die Piroplasmose überstanden 
haben und wieder völlig gesund erscheinen, gegen neue Piroplasmen- 
[nfektionen derselben Art immun sind, daß sie aber lange Zeit 
Piroplasmenträger bleiben. Dabei treten in der Regel keine Re- 
zidive auf, wenn sie nicht durch äußere Einflüsse, wie Erkältungen, 
Überanstrengungen oder, wie Theiler, Carpano (7) u. a. fest- 
gestellt haben, durch Brustseuche, Pferdepest usw. provoziert 
werden. In der Zeit dieser labilen Immunität gelingt es nicht, die 
Parasiten im Blute nachzuweisen, während solche bei akuten Er- 
krankungen und Rezidiven zur Zeit des Fieberanstiegs m. 0. w. zahl- 
reich gefunden werden können. Aber auch bei chronischer Piro- 
plasmose mit Fieberanfällen, ja auch bei akuten  Krankheitsfällen 
zelingt es nicht immer, Parasiten zu. finden. So beschreibt 
Teipel (1) zwei Fälle chronischer Piroplasmose mit Fieber- 
arscheinungen, bei denen er trotz häufiger Untersuchungen im 
peripheren Blut keine Parasiten fand. Auch Nevermann, 
Mießner und Weichel (2) konnten bei Pferden in Bulgarien, 
Jie den akuten Anfall vor Monaten überstanden hatten, aber noch 
Temperaturen von 38,5 bis 39° C zeigten, keine Piroplasmen fest- 
stellen, ebensowenig bei einem bulgarischen Truppenpferd, das der 
akuten Piroplasmose verdächtig war und 40,8° C Fiebertemperatur 
hatte. 
So kann sich bei Nichtnachweisbarkeit der Piroplasmen die 
Diagnosestellung nicht nur bei der inaktiven Piroplasmose, sondern 
auch bei chronischen, ja selbst bei akuten Fällen sehr schwierig 
gestalten, zumal die klinischen Erscheinungen Anämie, Herz- 
schwäche, rekurrierendes Fieber und Abmagerung auch bei der 
infektiösen Anämie der Pferde gefunden werden, und andere 
Symptome Ikterus, Blutungen in den Schleimhäuten, Verfärbung 
Jes Harns‘ auch auf andere Krankheiten bezogen werden können. 
Piroplasmenträger können jahrelang in denselben Pferde- 
beständen sein, ohne als solche erkannt zu werden und ohne ihre 
Nachbargefährten zu infizieren, wie folgende Zufallsfeststellung 
illustriert. Zwei in Stallungen des Heeres-Veterinär-Untersuchungs- 
ımtes seit vier bzw. einem Jahre untergebrachte, serologisch rotz- 
verdächtige Pferde zeigten klinisch keine Krankheitserscheinungen. 
Sie sollten 1919 zu einem Anämieversuch ‚Verwendung finden und 
wurden zur Prüfung ihrer Virusfreiheit gegenseitig mit ihrem 
lebenswarmen Blut subkutan behandelt. Am 16. Tage nach der 
Blutübertragung erkrankte das seit einem Jahr im Amt unter- 
yebrachte Pferd fieberhaft, zeigte im weiteren Krankheitsverlauf 
alle Erscheinungen der Piroplasmose, auch konnten in seinem Blut 
Piroplasmen nachgewiesen werden. Mit seinem Blut konnte in 
einem anderen Institut : eine positive Übertragung ausgeführt 
werden. In dem Blute des Parasitenträgers, der schon seit vier 
Jahren in Stallungen des Amtes untergebracht war, konnten keine 
Piroplasmen nachgewiesen werden. auch konnte bei der späteren
	        
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