Full text: Der Baum von Gallowayshire

eigene Sprache in den Mund, sie reden alle so hoch 
und schön wie ihr Dichter. Ich finde, daß im „Tell“, 
abgesehen von der Stileinheit, die Sprache natürlich, 
einfach und den dichterisch geschauten Umständen 
und Personen angemessen ist. 
Aber Schiller selbst war geneigt, ähnliche Einwände 
gegen sich zu erheben, weil ihnen ganz gewiß ein 
Gran gesunder Wahrheit innewohnt. Er suchte sei- 
ner vermeintlichen Mängel Herr zu werden, was 
Gott sei Dank nicht glücken konnte, weil es dichte- 
tische Selbstvernichtung gewesen wäre. Ein verfehl- 
tes Experiment dieser Art mag „„Wallensteins Lager““ 
gewesen sein, das weder nach Stil noch Gehalt dem 
großen Gange der Wallenstein-Tragödie angemessen 
ist. In einer Abhandlung „Über naive und sentimen- 
tale Dichtung“ geht der Dichter mit sich weiter ins 
Gericht, vielleicht durch die Nähe Goethes beun- 
ruhigt. Da schreibt er Sätze wie die folgenden: Naiv 
muß jedes wahre Genie sein, oder es ist keins. Seine 
Naivität allein macht es zum Genie. Und weiter: 
Dichter werden entweder Natur sein oder sie werden 
die verlorene suchen. Und ferner: Schon ihrem We- 
sen nach sind die Dichter die Bewahrer der Natur! 
Und dann: So wie nach und nach die Natur anfing, 
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