grüße dich, Mutter, ich rufe zu dir, aus Not und
Tod! .. ,”
Als ein jüdischer Kulturbund, plötzlich wie
aus der grünen Frühjahrserde herausgewach-
sen, an seine Munifizenz appellierte, fand er bei
ihm eine offene Hand, weniger offenen Sinn.
Nein, weder die Geigen und Flöten, noch die da-
zwischen redenden jüdischen Nathans und
Othellos. gaben ihm Antwort auf das Rätsel der
Zeit.
Trotzdem besuchte er mit seiner Frau — sie
ließ sich erst nach langem Bitten überreden -—
eine Nathanaufführung, Ein vierschrötiger jüdi-
scher Schauspieler — früher Star einer haupt-
städtischen Bühne — schrie, nach Wildes Begriff
viel zu laut und stürmisch, die Fabel von den
„Drei Ringen‘ vor dem in falschem Purpur
wenig glaubhaft anmutenden Sultan Saladin. Was
bot ihm diese Fabel, dieses Hohelied der Tole-
ranz heute? Drei Ringe und keiner von
ihnen war derechte. Wo war der echte?
In der Suche nach dem echten Ringe schie-
den sich die Geister, dachte Wilde in der Nacht
nach der Aufführung nach. Und wie merkwür-
dig: der Sohn bleibt aus dem Ringe der Völker-
familie ausgeschlossen, der die Echtheit seines
Ringes mit den ältesten und heiligsten Urkun-
den beweisen kann ...
Er ging zu Versammlungen, Es war überall
ein großes Reden, Raten, Sinnen, Suchen
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