ohne Finden, Sehnen ohne Erfüllung. Ein Nebel-
horn tönte schrill durch die dicke Luft. Wo war
der Leuchtturm, der Weg und Richtung zeigte?
Da war der vielgefeierte Professor Wolken-
reich. Er hatte einen großen Löwenkopf auf
kleinem gedrungenem Körper sitzen und die
Brust war gut zur Hälfte von einem lang und
breit herabwallenden Prophetenbarte überdeckt.
Seine Sprache schien aus diesem Barte zu kom-
men, ging aber stets nach oben, überschlug sich
zuweilen in prophetischer Verzückung. Man sah
ihn mehr, als man ihn hörte. Er sprach in Visio-
nen und man war in seinem Banne, ließ sich
von ihm hinauftragen, aber nicht zur reinen
Sphäre des klaren Himmels, man blieb im Ne-
bel, in Wolkenbänken haften, und die Sicht war,
wenn er fertig war, erst recht verbaut.
Er las auch neue jüdische Bücher, die schöne
neugeprägte Worte für alte, einfache Gedanken
wie gasgefüllte Ballone aufsteigen ließen, sie
verschwanden in der Atmosphäre, man wußte
nicht wohin. Einfache Kindererzählungen von
Frommen und Heiligen waren, wie Juwelen in
Seidenpapier, weich und warm in strahlenden
Wortbildern gebettet. Er las auch Geschichts-
bücher. Hier wurden aus Bibel Märchen ge-
macht, dort Märchen zur Bibel erhoben. Es war
verwirrend. Wo war die Wahrheit, wo die
Grenze?
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