Full text: M. Tullii Ciceronis De officiis libri tres: nach Text und Kommentar getrennte Ausgabe für den Schulgebrauch ; 1. Abteilung: Text ; [2. Abteilung: Kommentar]

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Einleitung. 
Lebensführung im Privat- und Staatsleben der natürlichen Be 
stimmung nach die angemessenste ? und damit in Zusammenhang: 
was ist das höchste Gut (Ethik)? (Cic. Tuse. Y, 4, 10: „So 
crates autem primus philosophiam devocavit e caelo et in urbibus 
collocavit et in domus etiam introduxit et coegit de vita et mo 
ribus rebusque bonis et malis quaerere.“) Die Erkenntnis der 
körperlichen Welt und des geistigen Ewigen, der Gottheit, brachten 
sie damit in engsten Zusammenhang (Metaphysik). Hier soll 
nur die Ethik zur Besprechung gelangen. 
Indem die unmittelbaren und mittelbaren Schüler des So 
krates teils in der Methode der wissenschaftlichen Forschung aus 
einander gingen, teils diese oder jene Lehre anderen Lehrsätzen 
gegenüber mehr oder weniger betonten und ausbauten, entstanden 
verschiedene philosophische Richtungen oder Schulen, die gleich 
wohl alle auf jenen Meister sich zurückführen (Cic. a. a. 0. §11: 
„cuius multiplex ratio disputandi rerumque varietas et ingenii 
magnitudo Platonis memoria et litteris consecrata plura genera 
effecit dissidentium philosophorum“). Piatos Lehre erhielt sich 
unter dem Namen der Akademie, welche zumeist (alte und 
mittlere Akademie) vor allem den Satz zu erweisen trachtete, 
dafs es ein ewiges, unabhängiges Gutes und Rechtes gebe. Die 
späteren Platoniker (neuere Akademie) bestritten hauptsächlich 
die herrschende Methode der Erkenntnis, leugneten, dafs es über 
haupt ein sicheres Wissen gebe und stellten fest, dafs der 
Mensch nur das Wahrscheinliche (probabile) ergründen könne. 
Auf Aristoteles geht die Schule der Peripatetiker zurück, die 
sich in den ethischen Grundfragen über das Gute im Ganzen in der 
Richtung der platonischen Lehre bewegen und die Wissensfülle 
jenes „Meisters derer, die da wissen“ (Dante) in selbständiger 
Forschung auszubauen und zu berichtigen bestrebt sind. Mit 
gröfserem Strenge in der Bethätigung der platonischen und 
aristotelischen Tugendlehre haben die von Zeno aus Citium ge 
stifteten Stoiker das natur — d. h. vernunftgemäfse Leben für 
das höchste Gut erklärt und allmählich immer mehr den Men 
schen auf die Entbehrung aller äufseren Güter und das Ge 
nügen an den eigenen inneren Kräften hingewiesen. Epikur, 
dessen Schule neben den Stoikern nach den von Aristoteles und
	        
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